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Alles fängt bei deinen Augen an

Wenn wir einen Text lesen, gleiten unsere Augen nicht gleichmäßig durch die Zeilen, sondern springen von Punkt zu Punkt und von Wort zu Wort. Diese kleinen Fixationen ermöglichen es uns, den Text in mehreren Schnappschüssen zu erfassen.

Die Informationen werden dann über unsere Augen aufgenommen und an das Gehirn weitergeleitet. Springen wir weiter zum nächsten Wort oder Fixpunkt, nennt man diesen Sprung Sakkade. Hierbei werden keine Informationen übertragen, sondern erst wieder bei erneutem Fixieren. Zudem springen unsere Augen dauernd unbewusst im Text zurück, was man Regression nennt. Allein diese Rücksprünge reduzieren unsere Lesegeschwindigkeit um bis zu 30%.

Das menschliche Auge muss eine Textstelle zwei bis drei zehntel Sekunden fixieren, damit Netzhaut und Gehirn Worte erfassen und dann das Sichtfeld verschieben können, um die nächsten Informationen aufzunehmen.

All diese Augenbewegungen aus Schnappschüssen (Lesefixierungen), Blickverlagerungen (Sakkaden) und Rücksprüngen (Regression) nehmen Zeit in Anspruch, können jedoch trainiert und besser eingesetzt werden.

Sakkade als Augensprung

Wenn wir mit nur einer Fixierung mehrere Wörter gleichzeitig erfassen, machen wir weniger Sakkaden und sparen damit Zeit. Dies tun wir oft gewohnheitsmäßig bei Artikeln und kleineren Beiwörtern, sodass hier nur ein Schnappschuss reicht. Mit Technik und Training ist dies ist auch für größere Wortgruppen möglich. Je weniger Augenbewegungen, desto höher die Lesegeschwindigkeit.

Wir dürfen nicht vergessen, dass unsere Augen Muskeln haben und auch diese, wie jeder andere Muskel, ermüden können. Zu viele ungewollte Augenbewegungen lassen sie schneller ermüden. Dies ist einer der Hauptgründe, warum wir mit der Zeit Textabschnitte inhaltlich nicht mehr verstehen und aufnehmen können. Wer kennt es nicht, wenn man sich bei einer soeben gelesenen Seite fragt, was denn da überhaupt stand. Durch geschwächte Augenmuskeln lässt die Konzentration nach und wir erfassen Textpassagen nicht mehr richtig. Bei dem Versuch durch unbewusste Rücksprünge im Text wieder das Verständnis zu erlangen, verausgaben wir uns immer weiter.

Lesen ist eine psychomotorische Fähigkeit, bei der die zwei Komponenten Gehirn und Augen stark anpassungsfähig sind.

Psychomotorische Fertigkeit Lesen, Auge und Gehirn

 

Kleiner Exkurs: Werden uns einzelne Wörter mit Hilfe von Speed Reading Apps auf dem Bildschirm nur an einem Punkt gezeigt, gibt es lediglich einen Fixpunkt für unsere Augen. Es muss keine Blickverlagerung zum nächsten Textbereich erfolgen, somit sind auch keine Rücksprünge in den Zeilen notwendig, da die Wörter immer an derselben Stelle erscheinen. Man kann also die Wörter schneller erfassen, da die Überleitung zur neuronalen Verarbeitung schneller erfolgt. Es ist wichtig, zu verstehen, dass nicht unser Gehirn der begrenzende Faktor ist. Ganz im Gegenteil kann es weitaus mehr verarbeiten, wenn wir es nur zulassen. Zunächst gilt es also die Kontrolle der Augen zu verbessern.

Was passiert, wenn wir die Augen mit einer Lesehilfe führen?

Das Verwenden einer Lesehilfe als visuelle Führung hilft uns, die Augen zu kontrollieren. Es ist ein biologischer Reiz, einer Bewegung mit den Augen zu folgen, um schneller Gefahren zu erkennen oder adäquat auf einen äußeren Reiz reagieren zu können.

Führen wir nun unsere Augen im Text mit einer Lesehilfe, reduzieren wir Rücksprünge und beschleunigen die Sakkaden-Sprünge zum nächsten Fixpunkt. Da wir nun aktiv das Tempo vorgeben und die Augen hinterherziehen, haben wir keine Zeit mehr die Wörter einzeln auditiv zu entschlüsseln, sondern erfassen nun verstärkt mehrere Wörter visuell. Es ist einfach keine Zeit mehr vorhanden und das Gehirn greift auf unser bestehendes, inneres Wortlexikon zurück, da es mithalten möchte. Das innere Lexikon beinhaltet Wörter, die wir bereist durch häufiges Lesen auditiv decodiert haben und nun direkt visuell erfassen können. Wir zwingen somit die Augen weniger Rücksprünge und Fixationen zu machen, schneller von Fixpunkt zu Fixpunkt zu wandern, um so alte Gewohnheiten zu brechen und verstärkt andere Wege der Textverarbeitung zu nutzen.

Der über die Lesehilfe ausgelöste Reiz aktiviert den motorischen Cortex und die bewusste Erhöhung der Lesegeschwindigkeit steigert den Wachheitsgrad, die Konzentration sowie die Aufmerksamkeit. Das Kombinieren zweier Sinne, visuell über die Augen und kinästhetisch über die Hand- und Armbewegung, verstärkt den Fokus, da einer Aktion dieser Art eine höhere Bedeutung zugeschrieben wird.

Lesetraining und Anpassung

Das höhere Tempo öffnet unser konditioniertes, enges Sichtfeld und die vergrößerte Blickspanne verbessert die Aufnahme von Wortgruppen, sodass wir in der kürzeren Zeit mehr wahrnehmen können.

Die Verwendung einer Lesehilfe ist somit der einfachste Weg, schneller, leichter und effizienter zu lesen. Probiere es aus.

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